Die Schleusentreppe Niederfinow

Von 1911 - 1913 errichtete man die Schleusentreppe Niederfinow. Sie bestand aus vier 67 Meter langen und 10 Meter breiten hintereinander geschalteten Kammern. Mit Hilfe von jeweils 3 Sparbecken zu beiden Seiten der Schleusenkammern wurde der bei jedem Schleusenvorgang im Oberwasser entstehende Wasserverlust auf 40 % verringert. Jede Schleuse überwand eine Höhe von 9 Meter. Die gesamte 1400 Meter lange Anlage überwand so zwischen Scheitel- und Oderhaltung eine Höhendifferenz von 36 Meter. Zwischen den einzelnen Schleusen befanden sich 260 Meter lange Zwischenhaltungen, so dass ein gleichzeitiges Durchfahren in beide Richtungen möglich war. Um das Durchfahren der Zwischenhaltungen für die Schiffsführer zu vereinfachen, wurden die einzelnen Schleusen in ihrer Achse um 11 Meter verdreht angeordnet. Nach dem Ausfahren aus der Schleusenkammer mussten die Schiffe sofort nach rechts steuern, um Platz für den Gegenverkehr zu machen. Nach anschließendem Gegensteuern befanden sich sie Schiffe dann wieder in der Achse mit der nächsten Schleusenkammer. Für die zu schleppenden Kähne kamen elektrische Treidellokomotiven zum Einsatz. Die Durchschleusung dauerte etwa 2 Stunden. Einige Baudaten: 600.000 Kubikmeter Erdaushub, 70.000 Kubikmeter Kies, 20.000 Tonnen Zement, 500 Tonnen Bewehrungsstahl, 4 Millionen Ziegelsteine, 6.000 Tonnen Traßmaterial, 2.100 Tonnen Spundwände, 700 Tonnen Stahlkonstruktionen. Die Sohlen der Schleusen bestehen aus Stahlbeton, welcher 1,20m bis 2,00m dick ist, die Kammermauern sind unten 8,00m breit und verjüngen sich nach oben. Die Tore waren als Stemmtore ausgelegt. Die Schleusen 1 - 3 stehen auf gewachsenem Boden, die Schleuse 4 liegt im Moor, was eine Gründung mit 2.000 Pfählen erforderlich machte. Der Bau kostete 6  Millionen Goldmark. Die Schleusentreppe war bis zur Eröffnung des Schiffshebewerks am 21. März 1934 im Betrieb, verlor danach jedoch an Bedeutung. Sie wurde für eventuelle Ausfälle des Hebewerkes betriebsfähig gehalten. In den sechziger Jahren wurden größere Reparaturen erforderlich. Zwei Versuche, die Schleusentreppe anschließend wieder in Betrieb zu nehmen, scheiterten mit Havarien. Im Bildarchiv finden Sie Fotos von einer Havarie aus dem Jahr 1968. 1972 wurde die gesamte Anlage endgültig stillgelegt und teilweise zurück gebaut. Die Anlage steht heute unter Denkmalschutz.


Ausschnitt aus einer Karte von 1932 ( Karte: Slg. A. Preuß )


Schleuse IV im Bau. (Karte: Slg.  A. Preuß)


Die teilweise fertig gestellte Schleuse IV mit Zwischenhaltung ( Karte: Slg. A. Preuß )


Die Baustelle der II. Schleuse, im Hintergrund sind die Schleusen III und IV zu erkennen. (
Karte: Slg.  A. Preuß)


Gruppenfoto einer Baukolonne auf der Schleuse III (?) ( Foto Slg. A. Preuß )
Anmerkung: Sollte es noch jemanden geben, der auf diesem Foto Personen erkennt, den bitte ich um eine kurze E - Mail.


Unterhaupt der I. Schleuse am 08.03.2009 ( © A. Preuß )

Fast 100 Jahre nach dem Bau der Schleusentreppenanlage ist das gesamte Gelände nicht wiederzuerkennen. Nach der endgültigen Stilllegung 1972 eroberte sich die Natur ihr Terrain zurück. Die Anlage ist bis auf Regen und Sickerwasser, welches sich in den Zwischenhaltungen sammelt und sich seinen Weg durch die alten Kammerumläufe zum Unterhafen sucht, trocken. Aus den kleinen Koniferen der ehemaligen Schmuckanlagen sind stattliche Bäume geworden, weiterhin sind Erlen, Birken, Robinien, Kiefern und sogar Eichen hier zu finden. Auch der Biber und der Eisvogel haben in den Anlagen ein neues Zuhause gefunden. Leider erfordert der Neubau des Schiffshebewerkes Niederfinow Nord einen Eingriff in dieses entstandene Ökosystem. Aus statischen Gründen muss die III. Schleusenkammer zugeschüttet werden, in der Zwischenhaltung Schleuse III - IV wird der Straßendamm für die Straße nach Liepe angelegt und von Schleuse IV mussten für die Zufahrt zum neuen Schiffshebewerk die Kammermauern teilweise abgebrochen werden. Der Eingriff in die Natur erfolgt sehr behutsam und ist auf ein Mindestmaß beschränkt. Weitere historische und aktuelle Fotos sind im Bildarchiv oder aber auch auf der Internetseite www.schiffshebewerkndf.de zu finden.
Haben Sie vielleicht weitere Informationen oder Fotos vom Kanal und seine Bauwerke? Dann melden Sie sich bitte unter: webmaster@oder-havel-kanal.de