Der Ragöser Damm

Der Ragöser Damm mit dem Durchlass Ragöse wurde 1906 - 1911 errichtet und ist seit 1976 Bautechnisches Denkmal. Das Ragöser Fließ mit dem Nettelgraben und dem Parsteinsee ist der Vorfluter eines 217,4 km² großen Niederschlagsgebietes und mündet unterhalb der Schleuse Ragöse in den Finowkanal. Schon im Jahre 1300 bildete das Fließ den Grenzbach zwischen Eberswalde und dem Kloster Chorin. Beim Bau des Oder - Havel - Kanals wurde das Tal des Ragöser Fließes in den Jahren 1906 - 1911 mit einem etwa 800 m langen Damm überbrückt. Das Fließ wird bei km 71,6 des Oder - Havel - Kanals durch den Damm geleitet. Der Ragöser Damm ist mit einer beachtlichen Höhe von 28,6 m einer der höchsten weltweit. Für die Schüttung des Dammes wurden etwa 1 Million Kubikmeter Boden benötigt. Als Dichtung dient eine Tonschale in Stärken von 0,80 m in den Böschungen und 0,60 m in der Sohle gegenüber 0,40 m bzw. 0,30 m im Regelprofil. Der überdeckende Grubenkies dient zum Schutz der Dichtung. Rund 4 m unter der Kanalsohle wurden Dränageleitungen in zwei Lagen angeordnet, um etwaige Schäden in der Dichtung bemerken zu können. Sickerwasser wurde bisher nicht festgestellt. Der bereits 1908 fertiggestellte Durchlass ist als Maulprofil mit einer lichten Breite von 4,20 m und einer lichten Höhe von 4,30 m ausgeführt. Der Durchlass selbst hat eine Länge von 156,3 m. Er besteht aus 38 Betonringen, die abhängig von der Höhe der Überschüttung, unterschiedlich stark sind. Von außen ist er mit Asphaltfilz und Ton abgedichtet. Das Sickerwasser wird in Steinrigolen ( Abzugsgräben ) abgefangen und über entsprechende Öffnungen in den Durchlass geleitet. Nach Abschluss der Bautätigkeiten wurde einst eine kleine Fußgängerbrücke über das Fließ gebaut. Selbst Kahnfahrten durch die Tunnelröhre waren Anfang des 20. Jahrhunderts möglich. (Quelle: Schaukasten am Ragöser Damm)
 


Ragöser Damm mit Auslaufbauwerk auf der Südseite. (Karte: Privatarchiv A. Preuß)


Nordseite des Ragöser Dammes mit einem Teil des Ragöser Tals ( Karte: Privatarchiv A.Preuß )

Schadensfälle an abgedichteten Dammstrecken anderer Wasserstraßen mit nachfolgendem Dammbruch und ausströmender Flutwelle führten nach umfangreichen Untersuchungen am Ragöser Damm zu zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen, welche in den Jahren 1997 - 98 durchgeführt wurden. Es wurden an den Außenseiten der Dammkronen insgesamt 2473 Spundbohlen in Längen zwischen 8,25 m bis 20,25 m ( davon 1643 Stück 20,25 m lang ) in den Dammkörper gepresst, um bei Versagen der Dichtung das Sickerwasser nach unten zu leiten. Am Dammfuß wurden bis zu 8 m tiefe Sickerschlitze, Schächte, Dränage- und Sammelleitungen angeordnet, welche im Bedarfsfall eine Einleitung von Wasser in die Ragöse ermöglichen. Im unteren Dammbereich wurden auf der Südseite, dort wo der Damm am höchsten ist, auf einer Länge von 400 m rund 16000 Kubikmeter Boden aufgeschüttet. Der Durchlass für das Ragöser Fließ wurde auf der Südseite auf 176,9 m verlängert. Ein 27,7 m langes, mit Epoxydharz in mehreren Lagen beschichtetes Stahlrohr fand Verwendung, wobei das Rohr 7,1 m in den alten Durchlass eingeschoben wurde. Der fast hundertjährige Ragöser Damm mit Durchlass ist auch heute noch ein beeindruckendes technisches Baudenkmal. Aus sicherheitstechnischen Gründen bleibt es für Besucher unzugänglich. (Quelle: Schaukasten am Ragöser Damm)
 


Teilansicht des Ragöser Dammes Nordseite 16.03.2009 ( © A.Preuß )


Einlaufbauwerk Nordseite 16.03.2009 ( © A. Preuß )


Auslaufbauwerk Südseite 09.03.2009 ( © A. Preuß )


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