Geschichtliches...

Da der Finowkanal am Ende des 19. Jahrhunderts an seine Kapazitätsgrenzen stieß, war die preußische Regierung durch  das preußische Wasserstraßengesetz vom 01. April 1905 gezwungen, einen neuen Kanal von Berlin zur Oder zu bauen. 1906 wurde mit einem Kostenaufwand von 47 Millionen Goldmark der Bau des neuen Abschnittes begonnen. Im April 1913 wurde der Versuchsbetrieb aufgenommen und am 17. Juni 1914 wurde der über 100 Km lange "Großschifffahrtsweg" seiner Bestimmung übergeben. Dieser Kanal zeigt in seiner ganzen Anlage die Fortschritte der Wasserbaukunst seit entstehens des Finowkanals. Die neue Wasserstraße überklettert nicht das Eberswalder Quertal mühsam wie eine Treppe, sondern streicht im nördlichen, hoch gelegendem Gelände, im waagerechten Zug der Oder entgegen. Nur drei Gefällestufen sind, gegenüber 18 des Finowkanals, zu überwinden.


Längsschnitt der Havel-Oder Wasserstraße ( aus: Das Schiffshebewerk Niederfinow WSA Eberswalde 1965 )

 An der Schleuse Plötzensee in Berlin beginnt die Havelhaltung des Großschifffahrtsweges, dessen Teilstrecke von hier bis zur Oder bei Hohensaaten „Hohenzollernkanal“ heißt. Bei Oranienburg schneidet der Kanal eine große Schleife der früheren Havel-Oder-Wasserstraße ab. Die drei Schleusen des alten Oranienburger Kanals wurden zu einer einzigen Gefällestufe von 5,80 Meter Höhe mit der Lehnitzschleuse, zusammengefasst. Hier ist die Scheitelhaltung erreicht, welche nun fast 50 Kilometer in waagerechten Zug nach Osten führt. Etwas nördlich von Lehnitz treffen alte und neue Wasserstraße wieder zusammen und benutzen dasselbe Kanalbett bis nahe Liebenwalde. Hier trennen sich ihre Wege. Noch einmal kreuzen sich beide Wasserstraßen dicht unterhalb der Zerpenschleuse des Finowkanals, wieder auf gleicher Spiegelhöhe. Erst nach dem Abstieg durch die Schleusentreppe (später durch das Schiffshebewerk) bei Niederfinow treffen die Kanäle in der Oderniederung wieder zusammen. Zur Einweihung, bei der auch Kaiser Wilhelm II. anwesend war, kam die preußische Regierung mit einem geschmückten Schiff nach Niederfinow. Nach der Novemberrevolution 1918 wurde der Kanal in "Großschifffahrtsweg Berlin-Stettin" umbenannt, und nach 1945 schließlich als Oder - Havel - Kanal  geführt. Die bekanntesten Bauwerke aus der Entstehungszeit des Kanals in unserer Region sind zweifelsfrei  die alte Kanalbrücke über die "Berlin-Stettiner-Eisenbahn", der Ragöser Damm, welcher damals als höchster Kanaldamm der Welt galt und heute noch der höchste Kanaldamm Europas ist, die Schleusentreppe Niederfinow und ab 1934 das Schiffshebewerk Niederfinow. Fast in Vergessenheit geraten sind jedoch die alten Straßenbrücken. Hier sind die Poratzbrücke, die Wassertorbrücke, die Kahlenberger Brücke und die alte Klosterbrücke zu nennen. Ebenfalls sind an dieser Stelle die ehemaligen Kieswerke in Niederfinow zu erwähnen, welche ihren wirtschaftlichen Aufschwung dem Kanal zu verdanken hatten. Über die Kieswerke wird auf einer gesonderten Seite berichtet.


Bau des Hohenzollernkanals ( Foto aus: 75 Jahre Schiffshebewerk Niederfinow 1934 - 2009  WSA - Eberswalde 2009 )